Ein Haus mit Geschichte
Am 10. Juli 1896 wandte sich das Erzb. Ordinariat Freiburg im Breisgau an den „Verehrlichen Gemeinderath der Stadt Rastatt“ und schrieb ihm:
„Wir beabsichtigen in einer Stadt des Badischen Mittellandes, in welcher sich ein Gymnasium befindet, ein Erzb. Knaben- und Gymnasialkonvikt zu errichten, bzw. das nötige Gebäude für ein solches zu erstellen oder zu erwerben. Unser erstes Augenmerk ist auf Rastatt gerichtet, weil wir die daselbst bestehenden Verhältnisse für recht entsprechend halten und weil wir der Überzeugung uns hingeben, der verehrlichen Gemeinderath und die Bürgerschaft werde unsere Pläne ein wohlwollendes Interesse entgegenbringen und dessen Durchführung erleichtern.“
Die Kirchenbehörde frug zugleich an, ob in der Nähe des Gymnasiums etwa ein Hektar oder auch etwas mehr Bauplatz für den genannten Zweck überlassen werden könnte. Vorgesehen sei eine Anstalt für 120 Knaben und Jünglinge. Bereits 4 Tage später antwortete das Bürgermeisteramt mit Ausdruck des Dankes. Im Januar 1897 wurde der Vertrag abgeschlossen und im Sommer wurde gebaut. Es ist ein Gebäude erstellt worden, welches sich ebenso in seiner äußeren Erscheinung gefällig darbietet, wie in seinen Innenräumen freundlich anspricht und sich im Laufe der 5 Jahrzehnte als zweckmäßig und praktisch erwies, zumal es im Jahre 1933 durch den Einbau neuzeitlicher sanitärer Einrichtungen wesentlich vervollkommnet wurde, um wenige Jahre darauf als Lazarett genutzt zu werden.
Das Erzbischöfliche Gymnasialkonvikt in Rastatt steht unter dem Patronat des seligen Markgrafen Bernhard von Baden. Sein Bild schmückt die Stirnseite das Hauses, seine Statue steht vor dem Haus.
Die besonderen Schicksale eines Internates, die jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zeichnen sich auch ab in der jeweiligen Schülerzahl. Die ortsansässige Presse vermeldete am 12.09.1898 die feierliche Eröffnung des neuen Erzbischöflichen Knabenseminares. Sämtliche 119 Schüler waren anwesend!
Im Schuljahr 1905/06 wurde mit 218 Schülern die Höchstzahl erreicht. Die Zahl sank auf Grund der scharfen Zäsur ab dem Jahre 1933 bis auf 93.
Hintergrund des Studienheimes war die Hoffnung, daß hier der Priesternachwuchs herangezogen wird. Und so besuchten die Jugendlichen auch die altsprachliche Klasse des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums. Erst ab den 60er Jahren konnten auch Schüler des neusprachlichen oder naturwissenschaftlichen Zuges im Konvikt wohnen.
Die Hoffnung der Kirche erfüllte sich auch zum Teil: 1968 berichtete die Zeitung anläßlich des 70jährigen Bestehens des Konviktes: Das Studienheim St. Bernhard hat bis heute etwa 2100 junge Menschen beherbergt. Von dieser stattlichen Zahl verdanken über 400 Priester ihre Geistes- und Herzensbildung zum großen Teil diesem Hause.
1968 folgte der Erweiterungsbau des Studienheimes St. Bernhard. Das Konvikt, wie es in Rastatt auch nach der Umbenennung hieß, erlebte in seiner ursprünglichen Funktion allerdings nicht mehr sehr viele Jahre: 1981 wurde der Internatsbetrieb zum Schuljahresende eingestellt. Seither diente das Gebäude als Diözesan Bildungshaus.
Das Bildungshaus St. Bernhard erfährt in seinem 25. Lebensjahr eine Neuerung. Seit März 2008 trägt es den Namen: St. Bernhard – Wohnen & Tagen.


